home Corona-Chronicles Corona-Chronicles: Interview mit Dirk Riegner, Sänger der Band Caleidoscop

Corona-Chronicles: Interview mit Dirk Riegner, Sänger der Band Caleidoscop

Auch der Dirk, Sänger seiner Band Caleidoscop war sofort dabei:

Gothic Empire: Hallo Dirk, vielen Dank für Deine Zeit, oder hast Du gerade einfach zu viel Zeit? Wie geht es Dir?

Dirk: Hallo Dominique, sehr gerne. Mir geht`s soweit gut, trotz all der Wirren durch das Virus. Ich hoffe, Dir auch.


Gothic Empire: Du hast Dich gefreut, als ich Dich nach dem Interview gefragt habe, Du bist dann unter illustrer und familiärer Gesellschaft, wen meinst Du da speziell?

Dirk: Mir sind gerade in letzter Zeit bei Facebook einige Corona Chronicles angezeigt worden, Interviews mit Sven Friedrich, Joke Jay, Casi von Rroyce, dem Forced to Mode Sänger und einigen mehr. Mit vielen habe ich ja schon zusammengearbeitet, entweder live und oder bei Produktionen etc. Oft trifft man sich auch bei Festivals, bzw. traf muss ich ja im Moment leider sagen. Das ist schon ein sehr freundschaftliches, familiäres Verhältnis.


Gothic Empire: Im Moment ist alles anders, aber der Mensch gewöhnt sich ja schnell um, zumindest muss man das Beste daraus machen. Oder bist Du sehr stark eingeschränkt, was kannst Du tun, was nicht?

Dirk: In Bezug auf meine Arbeit als Songwriter/Arrangeur oder Producer bin ich tatsächlich nicht sonderlich stark eingeschränkt. Anders sieht es natürlich bei den Konzerten aus, das fehlt mir.
Auf privater Ebene merke ich die Einschränkungen schon eher. Sich mit seinen Liebsten persönlich treffen zu können, auszutauschen und einfach ne gute Zeit zu haben hat doch eine ganz andere Qualität, als nur per Telefon oder Skype. Und das Gefühl der Unfreiheit in seinen Entscheidungen empfinde ich als sehr unangenehm. Einfach nicht mehr spontan dahin fahren zu können, wo man hin möchte ist doch beklemmend.


Gothic Empire: Wo und wie lebst Du gerade?

Dirk: Wie im Moment wohl alle, recht zurückgezogen und isoliert. Allerdings in schönem Ambiente.
Ich liebe ja das Meer und bin an der Ostsee, wo ich mich sehr heimisch fühle. Allerdings war nicht geplant, daß es ein derart ausgedehnter Aufenthalt wird. Sehr entschleunigend ist es hier und ich kann mich nicht erinnern, den Strand schon mal so verlassen gesehen zu haben.


Gothic Empire: Bist Du am Schreiben von neuen Songs, kannst Du die Zeit gut umsetzen oder bist Du eher gelangweilt und demotiviert?

Dirk: Ich nutze die Zeit gerade sehr musikalisch. Zum einen arbeite ich an den letzten Songs für mein Soloprojekt „Caleidoscop“, wobei dafür quasi aus Versehen auch ein paar akustische Coverversionen Gestalt annehmen. Das hat sich zufällig ergeben, als ich wieder mehr Piano orientiert ans Songwriting ging und dabei aufs Meer blickte.

Irgendwie haben sich da immer wieder Melodien eingeschlichen von Songs, die ich großartig fand .Vielleicht mache ich ja vor dem eigentlichen Album eine EP damit. Zumal ich schon einen Titel hätte. “Caleidoscop`s Corona Cover Cure”. Recht viele C´s, aber irgendwie hat das was ;). Ansonsten entwickeln wir das Projekt „Heppner`s Tanzzwang“ immer weiter. Das macht sehr großen Spass und wird sicher einige Überraschungen beinhalten, bzw . noch mehr, als wir bisher eh schon hatten.


Gothic Empire: Hattest Du Projekte am Start, die nun nicht umgesetzt werden können?

Dirk: Leider hat es das letztgenannte Projekt „ Heppner`s Tanzzwang“ gleich am Anfang kalt erwischt. Wir waren voller Tatendrang und nach den letzten Proben in Hamburg mehr als euphorisch, es endlich auf die Bühne zu bringen. Auf dem Weg waren wir auch schon, aber ca. 80 km vor Dresden kam dann das Aus für die Show. Eine knappe halbe Stunde später dann auch für die nächste Show in Chemnitz. Mittlerweile hat es alle Shows getroffen. Wir konnten dann nur umdrehen,sind wieder zurück nach Hamburg gefahren und ich von da aus weiter an die Ostsee. Zum Glück hatte ich wegen der Tourvorbereitungen mein Equipment dabei, so dass ich nicht allzuviel nachbestellen musste und hier dann an anderen Sachen weiterarbeiten konnte.


Gothic Empire: Wie sieht Dein Alltag im Moment aus, Langschläfer oder Frühaufsteher?

Dirk: Das ist im Moment sehr stark wetterabhängig und auch davon, ob ich nachts lange Musik gemacht habe.
Generell bin ich nicht wirklich ein Frühaufsteher, allerdings ist es am Meer oft morgens schon so ein schönes Licht, daß ich dann doch ´n Kaffee mache und aus Versehen wach bleibe 😉


Gothic Empire: Die Frage an all meine Interview-Partner: Was darf bei Dir zu Hause nicht fehlen, auf was kannst Du schlecht verzichten?

Dirk: Espresso ist unverzichtbar. Die dazugehörigen Zigaretten auch und WLAN. Letzteres zumindest im Moment. Das ist zum Arbeiten schon wichtig und auch gerade aktuell, um nicht ganz abgeschnitten zu sein. In anderen Zeiten würde ich sicher, wenn ich mich entscheiden müsste, einen guten Rotwein oder Malt dem WLAN vorziehen.


Gothic Empire: Du bist ja nun schon auch ein paar Tage im Geschäft. So eine Situation gab es noch nie. Es wird sich Einiges ändern. Meinst Du zum Guten oder zum Schlechten? Lernt der Mensch aus dieser Krise?

Dirk: Ich denke, daß im Moment noch alles offen ist. Es ist eine diffuse Zeit, in der ich mir manchmal vorkomme, wie in einem Film, bei dem das Ende noch nicht bekannt oder absehbar ist. Für viele Branchen geht es bereits jetzt um die Existenz. Veranstalter, Musiker, Künstler, Gastronomie, Clubs etc.,um in unserem direkten Umfeld zu bleiben, müssen herbe Rückschläge einstecken und ich kann nur hoffen, daß möglichst viele durchhalten. Es wird sicher eine lange Aufbauphase benötigen und sollte im Idealfall zu einem Überdenken des ganzen Systems führen. Zudem bin ich mir unsicher, was das alles mit Europa macht. Der Mensch hat sicher die Chance aus dieser Krise zu lernen, inwieweit er sie nutzt,kann ich nur schwer einschätzen. Der Blick in die Geschichte kann einen an der Lernfähigkeit zweifeln lassen. Aber soviel ist sicher, wir leben in sehr geschichtsträchtigen Zeiten, was es auch ein wenig spannend macht.


Gothic Empire: Was nervt Dich im Moment am meisten?

Dirk: Im Moment nervt mich, mit welcher Vehemenz sich die Menschen teilweise spalten. Es ist mitunter schon erschreckend, wie manche Dinge kommentiert werden, Meinungen nicht als solche akzeptiert werden, sondern fern jeglicher Sachlichkeit drauf los geknüppelt wird. Zudem sprachlich oft äußerst dürftig, um es mal vorsichtig auszudrücken. Letztens bin ich auf ein Youtube Video gestossen, in dem verzweifelte Menschen in Griechenland versuchten über die Grenze zu kommen. Was da an Kommentaren zu lesen war, sind für mich Aufforderungen zu Straftaten und hat mit Meinungsfreiheit nichts mehr zu tun.


Gothic Empire: Und worüber freust Du Dich gerade am meisten? Zeit zum Chillen?

Dirk: Tatsächlich über die Entschleunigung, das Meer, die Natur und kreativen Output.


Gothic Empire: Magst Du den Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

Dirk: Bleibt gesund, vertragt Euch und schaut mal bei Interesse auf der Caleidoscop Seite vorbei 😉


Gothic Empire: Lieber Dirk, ich bedanke mich sehr herzlich für Deine Zeit, bitte bleib gesund!

Dirk: Sehr gerne, ich habe zu danken und bleib Du auch gesund!

https://www.facebook.com/CaleidoscopMusic/