home Corona-Chronicles Corona-Chronicles: Interview mit Sascha von der Band Neuroticfish

Corona-Chronicles: Interview mit Sascha von der Band Neuroticfish

Gothic Empire: Hallo Sascha, vielen Dank für Deine Bereitschaft trotz Deinem Stress an unseren Chroniken mitzuwirken. Wie geht es Dir, wie geht es Henning?
Sascha: Hallo Dominique, uns geht es soweit ganz gut, wir sind gesund, halten Abstand und haben uns in unsere jeweiligen Studios zurückgezogen um an neuen Tracks zu basteln.

Gothic Empire: Wir haben gerade keine schöne Zeit, Konzerte und Events werden verschoben, oder ersatzlos gestrichen. Wie geht Ihr als Band mit der Situation um, magst Du mir auch etwas über den Neuwerk Support Monat erzählen?
Sascha: Henning und Ich sind jetzt nur mittelbar davon betroffen, dass wir nicht mehr auftreten können. Zum einen hatten wir für 2020 eh nur wenig geplant, zum anderen haben wir noch unsere Hauptberufe, die uns ernähren. Dadurch sind wir nicht so schlimm betroffen, wie unsere Freunde im Musikbusiness, zu denen auch unsere Booking-Agentur Neuwerk gehört und natürlich auch unsere Crew, die für Licht und Sound bei unseren Auftritten verantwortlich sind. Da sie hauptberuflich davon abhängig sind, auf Live-Veranstaltungen zu arbeiten, ist hier die Not sehr groß. Deshalb haben wir im Mai den „Neuwerk-Support-Month“ ausgerufen, wo alle Erlöse aus Neuroticfish-CD und -Merchandising-Verkäufen an Neuwerk und unsere Crew gehen. Später haben wir dann mit Martin Sosna vom Merchandise-Service die „Neuroticfish-Crew-Supporter“-Shirts aufgelegt, die auch über den Mai hinaus erhältlich sein werden und die dann weiterhin Neuwerk und unsere Crew unterstützen werden. Die gibt es hier – https://neuwerk-music.com/de/shop

Gothic Empire: Wie beeinträchtigt Dich privat die aktuelle Lage, Du hast ja gerade auch einiges zu tun?
Sascha: Ich gehöre, wie viele, zur Risikogruppe und hatte zum Glück sehr früh die Möglichkeit in Selbstisolation zu gehen und von zu Hause aus zu arbeiten. Trotzdem fühlt es sich sehr seltsam an, und mir fehlt der persönliche Austausch mit Familie, Freunden und Kollegen schon sehr. Dazu kam noch, dass ich mitten in einer Pandemie umgezogen bin. Das ist zum Glück gut gegangen. Aber es bleibt die Ungewissheit, und auch Angst davor, wie es weiter gehen wird.

Gothic Empire: Das letzte Album ist ja nun schon ein paar Tage her, 2018? Könnt Ihr trotz der Beschränkungen kreativ sein oder gerade deswegen, weil mehr Zeit ist? Oder machst sich der Frust breit?
Sascha: Für mich persönlich ist es im Moment doch schwierig, die Zeit zu finden, kreativ zu sein. Es bedeutet schon etwas mehr Selbstorganisation von zu Hause aus zu arbeiten. Ich habe angefangen an neuenTracks zu arbeiten, aber wenn der Kopf voll mit allem anderen ist, fehlt mir öfters mal die Muse. Aber ich arbeite dran 😉

Gothic Empire: Hattet Ihr Konzerte und Festivals geplant diesen Sommer und wenn ja, konnten alle Termine ein Ersatz-Datum finden?
Sascha: Für 2020 hatten wir eigentlich nicht wirklich viel geplant. Von daher wird sich auch hoffentlich nicht viel für uns ändern. Wir hoffen sehr dass unser „Heimspiel“ im Kulttempel Oberhausen am 19.12. stattfinden wird. Es ist ja noch etwas Zeit bis dahin. Aber wir dürfen eins nicht vergessen: Es ist wichtig dass auch die Clubs überleben. Wenn es so weiter geht, könnte es sein, dass es keine Veranstaltungsorte für uns kleine Bands mehr geben wird. Die Politik kümmert sich um die Kulturschaffenden so überhaupt nicht, so dass viele Clubs mittlerweile auf Spenden angewiesen sind. Deshalb bitten wir, wie viele andere auch, bereits gekaufte Tickets nicht zurückzugeben. Die Rückerstattungen können und werden vielen Veranstaltern das Genick brechen. Es gibt z.B. eine Spendenaktion für den Kulttempel Oberhausen, auf GoFundMe (https://gf.me/u/x3zdx6), auf die ich gerne aufmerksam machen möchte.

Gothic Empire: Im Moment stehen ja auch wieder Entscheidungen im Raum, was denkst Du über Lockerungen, Konzerte wieder erlauben, oder noch ein wenig warten und sicher gehen?
Sascha: Ich weiß es ehrlich nicht. Im Moment werden die Leute immer unvorsichtiger und ich kann nur hoffen, dass die 2. Infektionswelle, die ja kommen soll, nicht so schlimm wird. Wir sehen ja gerade wie es überall auf der Welt gehandhabt wird und welche Maßnahmen welche Auswirkungen haben können. Ich hoffe das wir es zusammen schaffen werden, den Kulturbetrieb wieder aufzubauen, wenn die Zeit reif ist. Hoffentlich bald.

Gothic Empire: Demnächst gibt es Online-Konzerte, wo wir Konsumenten selbst entscheiden können, was wir für ein Ticket ausgeben möchten. Findest Du als Künstler das gut? Und hilft es überhaupt, so von wegen jeder Tropfen höhlt den Stein, oder Tropfen auf dem heißen Stein?
Sascha: Es hilft auf jeden Fall die Aufmerksamkeit zu erhalten um die Verbindung zu seinen Fans nicht zu verlieren. Ich glaube, da ist noch viel Luft nach oben und da steckt noch viel Potential drin.

Gothic Empire: Können wir Euch auch noch in einem Live-Stream aus dem Wohnzimmer oder im Autokino erleben?
Sascha: Im Moment eher nicht. Für ein Autokino würden wir wahrscheinlich nicht genug Karten verkaufen können, so dass das Risiko zu groß wäre auf den Kosten sitzen zu bleiben. Ich habe das Gefühl, Livestreams passen irgendwie nicht so wirklich zu uns. Henning und ich haben uns auch entschieden uns, aufgrund der Pandemie, erstmal nicht persönlich zu treffen. Somit wäre so etwas überhaupt etwas schwieriger zu bewerkstelligen.

Gothic Empire: Meine Lieblingsfrage, die nicht fehlen darf: Auf was kannst Du nicht verzichten, was darf bei Dir zu Hause nie ausgehen? Was würde Dich zum Hamstern zwingen?
Sascha: Schokolade 😉

Gothic Empire: Wird sich was in Deinem Denken für die Zukunft ändern? Konntest Du aus den vergangen Wochen für Dich auch etwas Positives gewinnen?
Sascha: Wir fahren weniger mit dem Auto. Wir planen Einkäufe mehr im Voraus. Wir gehen mehr spazieren.Vielleicht können wir das für die Zukunft erhalten und kultivieren?

Gothic Empire: Wir alle wünschen uns endlich wieder normal leben zu können, in Freiheit, ohne Einschränkungen. Was wünschst Du Dir für die Zukunft und was magst Du unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Sascha: Haltet durch. Seid nicht leichtsinnig, haltet Abstand und respektiert wenn andere Abstand halten wollen. Unterstützt eure lokalen Clubs und Veranstalter. Unterstützt Petitionen an die Politik, die Hilfen für die Kulturschaffenden fordern. Bleibt gesund.Bis bald.

Gothic Empire: Ich bedanke mich ganz herzlich für Deine Zeit, bleib gesund und alles Gute für die kommenden Projekte.
Sascha: Vielen Dank, bleib auch Du gesund und alles Gute!

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