home Corona-Chronicles Corona-Chronicles: Interview mit Benni Cellini, Cellist unter anderem bei Die Letzte Instanz

Corona-Chronicles: Interview mit Benni Cellini, Cellist unter anderem bei Die Letzte Instanz

Und heute bei uns im kleinen Verhör: Benni Cellini, Vollblutmusiker.

Gothic Empire: Guten Morgen Benni, hoffe es geht Dir und Deiner Familie gut, Du bist gesund und munter?

Benni: Guten Morgen, es geht uns gut, wir sind so munter, wie ein dreijähriges Kind es zuläßt! 😉


Gothic Empire: Zur Zeit ist ja eine für jeden nicht sehr einfache Zeit, für Dich als Künstler mit vielen Projekten bestimmt auch nicht leicht?

Benni: Was heißt leicht? Es war schade, dass ich nach zwei Tagen Probe mit Goethes Erben nicht wie geplant nach Hamburg und Berlin auf Konzerte fahren konnte, sondern in die Heimat. Dann haben wir aber als Familie die frei gewordene Zeit ordentlich genutzt. Das war vorher oft auf der Strecke geblieben. Nun habe ich mein Gemüsebeet wieder und ein paar Türen sind auch neu gestrichen… Aber ohne meine Arbeit kann ich ja auch nicht, da hab ich das Büro aufgeräumt und liegen geblieben Sachen erledigt. Beim Nachdenken über die Situation kam die Arbeit wie von selbst, und die liegt in der großen Welt des Internets.


Gothic Empire: Wie belastet Dich die aktuelle Situation?

Benni: Belastend ist die Welt im Würgegriff! Das macht schon Angst! Keine Angst um mich, sondern um die Menschheit und die Kinder.


Gothic Empire: Du bist in mehreren Bands aktiv, Letzte Instanz, Hoelder!, die Kammer, Land Über ( habe ich noch eine vergessen?) welches Projekt leidet im Moment am meisten, z.B. ist das neue Album von L.I. in der Mache, bist Du daran auch in der Entwicklung beteiligt? Verzögert sich die Veröffentlichung oder habt Ihr gerade mehr Zeit dafür?

Benni: Da wären noch Goethes Erben, wo ich bei den Kammerkonzerten mit dem beflügelten Pianisten Sebastian Böttger die Musik für Oswald Henke mache. Und Miss Rockester, einer Pop-Poetin aus Dresden, die im Herbst mit mir und einem großen Orchester auftreten wird. Solo hätte ich auch ein paar Auftritte gehabt und vor allem sind viele Auftritte mit meinem Schauspielkollegen Jürgen Stegmann ausgefallen, in denen wir für Schüler der 7ten Klassen Balladen von Goethe und Schiller spielen: ‚Verweile doch, Du bist so schön‘ – die etwas andere Deutschstunde…
Es leiden alle gleich, denn keiner kann mehr spielen. Man hat mehr Zeit zum Üben oder Komponieren und eben diese Backroundarbeiten z.B. in den sozialen Medien, Homepages. Ich hab meine Patreon-Seite wieder auf Vordermann gebracht, gebe Online-Unterricht, das hatte vorher mangels Zeit auch bißchen gelitten.

Wer in Zukunft vielleicht mehr leidet, kann man auch noch nicht sagen, aber ich denke, dass Konzerte mit 50 Mann eher wieder zugelassen werden, als welche mit 5000 Besuchern! Also eher für die großen Bands seh ich Probleme in der Zukunft.
Bei Letzte Instanz arbeiten wir gerade nach Plan, die neue CD wird gerade geschrieben, wir sprechen viel in Videokonferenzen bzw. mailen und skypen. Da wird sich nichts verzögern!


Gothic Empire: Meine Lieblingsfrage an die Musiker ist: Was fehlt Dir in dieser Krise am meisten und auf was kannst Du nur sehr schwer verzichten, materiell, emotional?

Benni: Also ab zwei Wochen konzert- oder auftrittsfrei wird’s mir komisch, ab drei Wochen ist es nicht mehr schön. Das Livespielen fehlt, es fehlt einfach. Und richtig am Stück arbeiten geht auch nicht, weil die Familie ja auch zuhause ist!


Gothic Empire: Kannst Du dem momentanen Stillstand auch etwas Gutes abgewinnen, entschleunigen, oder nervt Dich alles und Dir fällt die Decke auf den Kopf?

Benni: Das schöne Wetter bewahrt mich vor der Decke auf dem Kopf, wir haben einen großen Garten, das passt. Die Familie hat mehr davon, ob die es gut finden, dass ich ständig da bin, musst Du sie fragen! 😉


Gothic Empire: Was wünschst Du Dir für nach der Krise am meisten?

Benni: Ich wünsche mir ein Festival ohne jeden Gedanken an diese Zeit! Die Angst wird lang nicht überwunden werden, schätze ich, da seh ich mich selber. Wann werden wir wieder alle aus einem Becher trinken können?


Gothic Empire: Und was wirst Du als erstes machen, wenn wir wieder in die Freiheit entlassen werden?

Benni: Ich geh jeden Tag spazieren, bin ein völlig freier Mensch, der durch seinen freien Verstand gerade ein paar Vorsichtsregeln einhalten möchte, um sich selbst und andere nicht in Unfreiheit zu bringen. Natürlich möchte ich gern mal wieder in die Kneipe gehen, aber jetzt bleibe ich gerade frei zuhause.


Gothic Empire: Da sich ja vieles in der zweiten Hälfte des Jahres ballen wird, Konzerte, Festivals, musst Du auf etwas verzichten, weil es sich mit anderen Events überschneidet (abgesehen von Eurem Fanclub-Event?)?

Benni: Das weiß ich jetzt noch nicht, aber es wird bestimmt terminlich etwas enger zugehen.


Gothic Empire: Wie hältst Du Kontakt zu Deinen Bandkollegen? Schaust Du Dir Hollys Lesungen an?

Benni: Da wir auch ohne dem Virus sehr weit auseinander wohnen, hat sich für uns gar nicht viel geändert! Die üblichen Konversationswege werden weiter beschritten. Hollys Lesung hab ich noch nicht gesehen, in der Zeit bin ich immer mit unserem Jüngsten draußen.


Gothic Empire:  Ich danke Dir sehr für Deine Zeit, bleib gesund, wir sehen uns auf diversen Konzerten 2020!

Benni Hopefully!!!!!!!

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