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Interview mit THE FRIGHT

Wir haben ja schon neulich mal über Musik von The Fright aus Leipzig berichtet im Zuge ihrer letzten Single „Choices“.
Seit geraumer Zeit ist nun die nächste Single „END“ draußen. Hier einmal das Musikvideo dazu.
Das neue Album „Voices Within“ erscheint am 29. April.

Wir haben mit der Band dazu ein Interview geführt.
Viel Spaß!

 

Gothic Empire:
Hey Lon & Chris, danke für eure Zeit! Wir haben ja schon über eure erste Single “Choices” berichtet und nun ist eure zweite Single da – “END”. Ihr sagt, es ist eine der dunkelsten Songs den ihr geschrieben habt. Wieso?

Lon: Thematisch beschäftigt sich der Song mit einer extrem dunklen Episode meines Lebens. Musikalisch gibt es wenige Songs die sich von einer solch dunklen Ruhe zu brachialer Schwermut entwickeln.

Chris: Ich denke thematisch sind wir mit dem Song sehr nah dran am Bewusstsein für Tod und Vergänglichkeit. Das alle Handlungen im Leben Konsequenzen haben, welche uns letztlich genau hier hinführen, ans Ende. Wir bewegen uns mit dem Song musikalisch aus unserer eigenen Komfortzone, hinein in Elemente und Strukturen die eher untypisch für “Gothic” sind. End birgt ein Geflecht aus atmosphärischer Fläche und mit der permanenten Steigerung für mich so eine Art melancholische Sehnsucht nach, auch wenn es hochtrabend klingt, Erlösung.

 

 

Gothic Empire:
Nach den Singles kommt meist ein Album und bei euch ist es “Voices Within” und erscheint am 29. April. Inwiefern ist der Titel Anspielung auf den Inhalt der Songs?

Lon: Es geht immer um eine Abwägung zwischen Lust und Vernunft. Das ist so ähnlich wie bei Leben und Tod, Licht und Dunkelheit. Das eine kann nicht ohne das andere sein. Es geht um die innere Waage die oftmals in Schieflage gerät und dann die destruktiven oder selbstgeißelnden Elemente unserer Persönlichkeit empor treten lässt. Es geht um den Verlust der inneren Mitte, die Suche nach dem inneren Kind, um Ketten des Selbstbetrugs.

Chris: Anfangs ungewollt und zum Schluss dann doch ganz bewusst bauen die Songs rein inhaltlich aufeinander auf. Sie spiegeln aus unserer Sicht eine Art Zyklus, der Tal und Bergfahrt Leben, wider. Wobei jeder einzeln für sich stehen kann, ohne dadurch an Aussagekraft zu verlieren. Letztlich geht es im Leben immer darum abzuwägen, seinem Kopf, Herzen oder dem Bauchgefühl zu folgen. Ergo einer der vielen Stimmen in sich selbst beizupflichten und genau diese eine Entscheidung in genau dieser einen Situation zu treffen. Das lässt dich entweder vorankommen oder wirft dich eiskalt zurück. Und damit stehst du direkt und unmittelbar vor der nächsten Entscheidung und damit dem nächsten Kampf mit dir selbst.

 

 

 

Gothic Empire:
Bei euch kommen Elemente von Pop & Black Metal zusammen, was ja so schon sehr interessant klingt. Wie kann man in der Hinsicht eures neuen Album beschreiben?

Lon: Also Pop im Sinne von flüssigen Songstrukturen ja. Ansonsten würde ich uns jetzt nicht als die nächste Britney mit Pandabemalung bezeichnen. Dieser Black Metal vs. Frightsound Vergleich der oftmals gezogen wird, kommt wohl eher durch die unterschiedlichen Roots mit denen Chris & Ich aufgewachsen bin. Ich war eher Punk/Goth, Chris eher Black Metal und Schlager, oder kannst du mich da berichtigen Chris?

Chris: Schlag ins Gesicht vielleicht… Nein Spaß beiseite, wir sind schließlich permanent ernste Zeitgenossen…
Pop ist mittlerweile so negativ behaftet in der Szene, obwohl es nichts anderes bedeutet als “Yeah der ist Fame” und mal ganz ehrlich welcher Musiker will das nicht. Rein musikalisch machen wir in IST-Aufnahme Rock bis Metal mit ganz vielen Einflüssen aus Gothic & Dark Rock/Metal, Shoegaze, Nu Metal, Black Metal, Punkrock und ganz vielen Doom Elementen. Die ganzen Subgenres lass ich weg sonst brauchen wir mehr Space ;-). Ich denke wir beiden haben mit “Voices Within” einfach die Musik kreiert die selbst geil finden und hoffen, dass das auch genauso ankommt.

 

 

Gothic Empire:
Waren da bestimmte Bands, vielleicht besonders aus der Gothic Welt ein Einfluss für euch?

Lon: Witzig, kürzlich bei einem TakeOver eines Online Magazins hab ich meine 5 Goth Essentials gepickt die da waren:
Sisters of Mercy, The Cult, The Mission, HIM und The 69 Eyes. Mein erster Gothsong der es mir angetan hat war allerdings “Dein Vampyr” von den Ärzten.

Chris: Es wird mir zwar immer nachgesagt das ich der Black Metaller unter uns bin aber jeder hat ja seine musikalischen Leichen im Keller, hehe. Aus der Gothic Welt habe ich ganz besondere Einflüsse mitgenommen von The Cure, Fields of the Nephilim, Kirlian Camera, ebenfalls HIM und ausgewähltes von The Cult. Aber tatsächlich eingestiegen bin ich in die Welt der dunklen Musik tatsächlich sehr früh mit meinen ersten 3 selbst erstandenen Scheiben von “Anathema – The Silent Enigma”, “My Dying Bride – Turn Loose The Swans” und “Mayhem – Wolf’s Lair Abyss”.

 

 

 

Gothic Empire:
Was ist euch neben eurer Musik noch wichtig, das beim Publikum in Erinnerung bleiben soll?

Lon: Das musikalische Erlebnis können sich die Menschen jeden Tag auf die Ohren hauen. Ne Live Show ist was ganz anderes für mich. Da geht es um Entertainment, musikalische Momente nochmal visuell zu unterstreichen, durch das gegenseitige Agieren mit dem Publikum nochmal eine stärkere Bindung zu schaffen. Intensive und ganzheitliche Momente sollen in Erinnerung bleiben. Dann war’s ne coole Show.

Chris: Lon da bin ich voll bei dir! Ansonsten gibt es für mich persönlich neben meiner Familie und The Fright und einem normalen Full Time Job nicht wirklich viel Platz für mehr.

 

 

Gothic Empire:
Am 7. Mai gebt ihr euer Release-Konzert im UT Connewitz in Leipzig. Wie ist eure Gefühlslage nach langer Corona Pause auf eine Release Show hin zu arbeiten?

Lon: Ich bin mega nervös und angespannt, einfach weil wir ne fast gänzlich neue Besetzung haben und wir seit 2-3 Jahren nicht mehr Live gespielt haben. Dann hoffe ich natürlich dass die Leute das UT ausverkaufen werden und uns den passenden Einstand liefern. Wir werden das auf alle Fälle zurückgeben. Versprochen!

Chris: Auf jeden Fall Lon. Für uns wird es zusätzlich noch der aller erste Gig zusammen. Also ist die Anspannung noch ein wenig größer als so schon. Aber ungeachtet dessen haben wir mit dem UT Connewitz unsere absolute Traumlocation, mit “End of Green” eine unserer absoluten Alltime Favourites in Sachen Dark-Rock als Headliner und jetzt mit Sündenrausch aus Hamburg einen für uns jetzt schon perfekten Abend. Den könnt ihr da draußen noch krönen mit einem vollen Haus und ner geilen Party vor der Bühne.  

 

 

Gothic Empire:
Welche Gedanken habt ihr, wenn es bei euch um die Auswahl von Venues, Support oder Headliner Bands oder Festivals geht? Wo und mit wem müsst ihr echt mal spielen?

Lon: Wenn’s nicht unbedingt nen Festival ist, bei dem man fußhoch in Kuhscheiße steht und vor 30 Rednecks spielt, ist mir eigentlich jedes Festival recht, welches den Kosmos Metal/Goth/Alternative umfasst.
Venues, Headliner Bands, Supportbands – Es würde allen gut tun sich gegenseitig mit mehr Respekt zu behandeln. Die Headlinerband sollte Supports nicht ausnehmen, Supports sollten dankbar und professionell sein mit ins Line Up gekommen zu sein und einige Venues sollten mit einigen Technikern nochmal einen Kurs in verbaler Kommunikation abhalten. Wir haben alle die gleichen Ziele: Selbstverwirklichung, materielle Absicherung und den Leuten ne gute Show bieten. Ich glaube das schafft man besser wenn man sich nicht gegenseitig anscheißt.
That said: Mein Traum wäre es nochmal mit DANZIG zu spielen. Glenn soll ja echt ein sympathischer Typ sein. Bezüglich der Frage Wo: Das habe ich mir erfüllt mit der Release Show. Das UT Connewitz ist eines der ältesten noch erhaltenen Lichtspieltheater Leipzigs. Dementsprechend stimmungsvoll ist auch die Kulisse.

Chris: Ich war viel unterwegs, auf wie neben der Bühne. Dabei hat sich vieles relativiert von dem wie man sich Touring vorstellt, was es heißt als Supportband verheizt zu werden, das man als Headliner nicht immer “Gott” ist, geprellt zu werden usw. Aber auch natürlich die Filmreifen Geschichten hehe, ich Hülle mich gemäß Pakt 666 in Schweigen 😉 Nein aber auf Tour gehen mit meinen Helden der Musik “Katatonia” oder hochgepokert “Aerosmith” wäre schon ne Nummer. Ansonsten schließ ich mich Lon an. Respekt vermisst man viel zu häufig in allen Richtungen. Da möchte man sich selbst auch nicht rausnehmen. Schließlich waren wir alle mal Jung und ungestüm. Haha… Jeder Beteiligte steckt in seine Konzerte und Festivals Herz, Seele und ein Berg voll Arbeit rein und da gehört es sich für alle; Künstler, Veranstalter, Die Crews, alle anderen Mitwirkende und auch die Audience; respektvoll umzugehen!

 

 

The Fright Voices