Bereits der Freitag gehörte für viele Besucher fest zum M’era-Luna-Wochenende. Während die beiden eigentlichen Festivaltage am 8. und 9. August stattfanden, gab es am 7. August mit Workshops, Mittelaltertanz, Crypt Talk und Lesungen bereits reichlich Programm. Im Disco-Hangar standen unter anderem der Crypt Talk mit Chris Harms und Stephan Thanscheidt sowie Lesungen von Markus Heitz, Jessica Iser und Christian von Aster auf dem Plan.

Das Festival begann, bevor auf Main Stage und Clubstage der erste Ton gespielt wurde. Alte Bekannte wurden begrüßt, Outfits bewundert, die ersten Einkäufe erledigt und das Gelände erkundet.

Genau darin liegt weiterhin eine der großen Stärken des M’era Luna: Dieses Festival ist weit mehr als eine Aneinanderreihung von Konzerten. Es ist Treffpunkt, Laufsteg, Markt, Szeneversammlung und für ein Wochenende eine eigene kleine Welt.

Schwarz gekleidet unter blauem Himmel

Wer bei der „Mondgeborenen Stadt“ an Nebel, Wolken und angenehm düstere Temperaturen gedacht hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Das Wetter zeigte sich über weite Strecken von seiner sonnigen Seite.

Spätestens am Sonntag wurde es richtig heiß. Bei Temperaturen von rund 32 Grad begann für viele neben der Frage nach dem nächsten Konzert auch die Suche nach dem nächsten Schattenplatz.

Besonders beliebt war dabei der Hangar. Während dort Modenschauen und weitere Programmpunkte stattfanden, bot das Gebäude zugleich eine willkommene Möglichkeit, zumindest zeitweise der Sonne zu entkommen. Auch der große Schirm an der Clubstage entwickelte sich zum Treffpunkt all jener, die zwischen zwei Konzerten dringend eine Pause von der Hitze brauchten.

Schwarzer Samt, Leder, hohe Stiefel, aufwendiges Make-up und pralle Augustsonne sind eben nicht unbedingt natürliche Verbündete.

Trotzdem blieb die Stimmung erstaunlich entspannt. Wasser, Schatten und kurze Pausen wurden am Sonntag fast genauso wichtig wie der persönliche Timetable.

Samstag: Zwischen Main Stage und Clubstage

Musikalisch war bereits der Samstag dicht gepackt. Auf der Main Stage standen unter anderem Xandria, Unzucht, Hocico, Megaherz, Combichrist, The Birthday Massacre, White Lies, In Extremo und Within Temptation. Parallel wartete die Clubstage mit Acts wie Principe Valiente, Auger, M. Walking On The Water, Tyske Ludder, Diorama, Agonoize, Nachtmahr und Front Line Assembly auf.

Damit zeigte sich einmal mehr das altbekannte M’era-Luna-Problem: Man kann unmöglich alles sehen.

Gerade die Clubstage machte 2026 deutlich, dass sich ein Abstecher von der großen Bühne jederzeit lohnen konnte. Während auf der Main Stage die großen Namen für breite Festivalmomente sorgten, entstanden unter dem Clubstage-Dach oft jene intensiveren Konzerterlebnisse, für die viele Besucher das M’era Luna besonders schätzen.

Eine kurzfristige Änderung gab es ebenfalls.

Veljanov musste krankheitsbedingt absagen. An seiner Stelle sprang The Beauty of Gemina ein – und das unter bemerkenswertem Zeitdruck. Die Band schaffte es noch in letzter Minute nach Hildesheim und stand tatsächlich pünktlich auf der Bühne. Im nachträglich aktualisierten offiziellen Timetable wird The Beauty of Gemina für den Slot am Samstagnachmittag auf der Clubstage geführt.

Große Namen auf der Main Stage

Wer das M’era Luna vor allem wegen seiner Headliner besucht, bekam am Samstag ein Programm mit ausgesprochen großer stilistischer Bandbreite.

Zwischen dem druckvollen Industrial-Sound von Hocico und Combichrist, dem Gothic-Flair von The Birthday Massacre, den melancholischen Post-Punk-Hymnen von White Lies und dem Mittelalter-Rock von In Extremo wechselte die Atmosphäre mehrfach vollständig.

Mit Within Temptation stand schließlich eine Band am Ende des Tages, die für die große Bühne gemacht ist. Das M’era Luna kann eben beides: intime Clubatmosphäre und jene weit über das Gelände tragenden Festivalmomente, bei denen sich zehntausende Menschen vor der Main Stage versammeln.

Auch wer nicht vor Ort sein konnte, bekam 2026 einen guten Einblick. ARTE Concert übertrug zahlreiche Auftritte vom Festival, darunter ein umfangreiches Samstagsprogramm rund um Acts wie Megaherz, Tabernis und White Lies. Auch am Sonntag wurde weiter aus Hildesheim übertragen.

Das ist für ein Festival dieser Szenegröße inzwischen ein wichtiger zusätzlicher Faktor: Das M’era Luna findet nicht mehr ausschließlich auf dem Flugplatz statt, sondern erreicht über die Streams gleichzeitig ein internationales Publikum.

Sonntag: 32 Grad und trotzdem keine Ruhe

Der Sonntag begann musikalisch früh und ließ kaum Gelegenheit zum Durchatmen.

Auf der Main Stage standen unter anderem Sotiria, Stahlmann, Skynd, The 69 Eyes, L’Âme Immortelle, Floor Jansen, Lacrimosa, OMD und Saltatio Mortis. Auf der Clubstage warteten SynthAttack, Eisenfunk, Jesus On Extasy, Then Comes Silence, Clan Of Xymox, Neuroticfish, Aesthetic Perfection, Die Krupps und IAMX.

Schon diese Aufteilung zeigt, wie unterschiedlich man seinen Sonntag verbringen konnte.

Wer es elektronisch und cluborientiert wollte, konnte beinahe durchgehend an der Clubstage bleiben. Wer Gothic Rock, Symphonic Metal und große Klassiker bevorzugte, fand auf der Main Stage genügend Gründe, sich trotz der Hitze wieder vor die Bühne zu stellen.

Besonders an diesem Tag wurde das Festivalgelände jedoch zum Wechselspiel aus Konzert und Erholung. Kurz eine Band ansehen, Schatten suchen, Wasser holen, wieder Richtung Bühne.

Der Hangar war dabei nicht nur Rückzugsort, sondern bot weiterhin eigenes Programm. Für den Sonntag waren dort unter anderem ein Vortrag von Lydia Benecke, eine Lesung, eine LED-Show sowie Pole-Akrobatik angekündigt.

Die Clubstage bleibt unverzichtbar

Bei einem Line-up mit Namen wie Within Temptation, OMD, In Extremo, Lacrimosa oder Saltatio Mortis könnte man leicht den Fehler machen, das M’era Luna ausschließlich über seine Main Stage zu beurteilen.

Das würde dem Festival nicht gerecht.

Gerade 2026 waren wieder viele spannende Acts auf der Clubstage zu finden. Dort treffen etablierte Szenenamen auf Bands, die auf einer kleineren Bühne oft eine ganz andere Intensität entwickeln können. Zudem sorgt die unmittelbare Nähe zwischen Publikum und Künstlern für eine Atmosphäre, die sich vor der riesigen Main Stage naturgemäß anders anfühlt.

Und natürlich war da der Sonnenschutz.

Der große Schirm über Teilen des Zuschauerbereichs dürfte am Sonntag für einige Menschen beinahe genauso wichtig gewesen sein wie die Bands darunter.

Mehr als Musik

Das M’era Luna arbeitet seit Jahren daran, das Festivalerlebnis über die Konzerte hinaus auszubauen. 2026 gehörten unter anderem Schwarzes Yoga, Bodypainting, Schreib- und Stylingworkshops, Mittelaltertanz, Vorträge und Shows zum offiziellen Rahmenprogramm.

Die neue Geschichte der „Mondgeborenen Stadt“ passt daher erstaunlich gut zum Festival.

Der Veranstalter beschreibt sie als einen mystischen Ort, der künftig jedes Jahr um neue Stadtteile, Landmarken und Geschichten erweitert werden soll.

Ob daraus langfristig tatsächlich eine große zusammenhängende Festivalwelt entsteht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Als Idee funktioniert sie bereits jetzt, denn kaum ein anderes Festival der schwarzen Szene bietet eine vergleichbare Kulisse für eine solche Erzählung.

Die eigentlichen Bewohner dieser Stadt sind schließlich längst da.

Es sind die Menschen vor den Bühnen, auf dem Mittelaltermarkt, im Hangar, auf dem Campingplatz und überall dazwischen.

Unser Fazit zum M’era Luna 2026

Das M’era Luna 2026 war ein Wochenende voller Gegensätze.

Eine „Mondgeborene Stadt“ unter strahlend blauem Himmel. Schwarze Kleidung bei 32 Grad. Große Headliner auf der Main Stage und intensive Entdeckungen auf der Clubstage. Modenschauen und Schattenpausen im Hangar. Eine krankheitsbedingte Absage von Veljanov und mit The Beauty of Gemina einen Ersatz, der es buchstäblich in letzter Minute auf die Bühne schaffte.

Vor allem aber zeigte das Festival erneut, warum Hildesheim für viele aus der schwarzen Szene jedes Jahr einen festen Platz im Kalender hat.

Natürlich sind die Bands wichtig. Sehr wichtig sogar. Doch das M’era Luna lebt mindestens ebenso stark von den Menschen, die jedes Jahr zurückkehren, von den extravaganten Outfits, den Begegnungen auf dem Gelände und diesem besonderen Gefühl, für einige Tage Teil einer riesigen schwarzen Gemeinschaft zu sein.

Die Mondgeborene Stadt mag 2026 ihre Geschichte begonnen haben.

Ihre Bewohner sind allerdings schon sehr viel länger da.

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