Industrial ist längst mehr als Stahl, Maschinenrhythmen und kaltes Licht. Im besten Fall wird daraus eine Kunstform, die Klang, Körper, Bild und gesellschaftliche Reibung miteinander verbindet. Genau an diesem Punkt setzt Void-Sign an. Hinter dem in Singapur entwickelten audiovisuellen Duo stehen Izabela Bano und Giuliano Comperato, die Musik, Live-Vocals, Performance und cineastische Projektionen zu einem Gesamtkonzept verbinden.
Ihre eigene Bezeichnung dafür lautet „Screen Possession“.
Mit „EMPÖRT“ präsentiert Void-Sign einen deutschsprachigen Industrial-Track, dessen Thema so alltäglich wie politisch aufgeladen ist: Arbeit, Entlassung und jener fast automatische Reflex, auf Kontrollverlust zunächst mit Empörung zu reagieren.
Der Track wurde auf einer Black-Box-Bühne in Singapur performt und anschließend visuell weiterbearbeitet. Entsprechend wirkt „EMPÖRT“ weniger wie ein klassisches Musikvideo als wie die Dokumentation einer multimedialen Bühnenarbeit. Musik, Stimmen und Bilder sollen hier nicht nebeneinander existieren, sondern sich gegenseitig verstärken.
Zwischen Industrial und Performancekunst
Interessant wird Void-Sign vor allem dort, wo das Duo den üblichen Rahmen eines elektronischen Musikprojekts verlässt. KI-generierte Bildwelten, ein männlich-weibliches Performance-Duo und die geplante direkte Einbindung des Publikums gehören zum Konzept.
Als ästhetischen Referenzraum nennt Void-Sign selbst unter anderem Laibach – ausdrücklich nicht mit dem Anspruch, deren Stil zu reproduzieren. Vielmehr geht es um die Frage, wie eine gesellschaftlich aufgeladene, konfrontative audiovisuelle Kunstform unter heutigen technischen und kulturellen Bedingungen aussehen kann.
Das ist eine große Referenz. Ob Void-Sign daraus langfristig tatsächlich eine unverwechselbare eigene Position entwickelt, wird sich vor allem auf der Bühne und mit weiterem Material zeigen müssen. „EMPÖRT“ macht zumindest deutlich, in welche Richtung die Reise gehen soll: weg vom bloßen Song, hin zu einer inszenierten Situation.
Dass ein solches Projekt ausgerechnet in Singapur entsteht, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Spannung. Die deutschsprachige Industrial-Ästhetik trifft hier nicht auf ihren traditionellen europäischen Entstehungsraum, sondern wird aus einem völlig anderen kulturellen Umfeld heraus aufgegriffen und weitergedacht.
Von YouTube bis Stelarc
Nach Angaben von Void-Sign ist der eigene YouTube-Kanal innerhalb von weniger als fünf Monaten auf rund 135.000 Abonnenten angewachsen.
Auch erste Kontakte in andere Bereiche der Kunst- und Musikszene nennt das Projekt: Giuliano Comperato berichtet von einem Austausch mit Alf Ator von Knorkator sowie von Reaktionen aus dem Umfeld größerer internationaler Acts.
Besonders spannend ist eine weitere angekündigte Verbindung: Auf dem Void-Sign-Kanal soll ein ausführliches Interview mit Stelarc erscheinen. Der 1946 geborene Medien- und Performancekünstler beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Verbindung von menschlichem Körper und Technologie. Arbeiten mit Robotik, Prothetik, virtuellen Systemen und technisch erweiterten Körpern haben ihn zu einer wichtigen Figur der internationalen Medienkunst gemacht.
„EMPÖRT“ als Zugang
Mit „EMPÖRT“ liefert Void-Sign interessanten Zugang zu diesem Ansatz. Statt Industrial lediglich musikalisch zu zitieren, versucht das Duo, daraus eine audiovisuelle Sprache zu entwickeln, in der gesellschaftliche Themen, digitale Bilder und körperliche Performance ineinandergreifen.
Wie weit sich das Konzept von „Screen Possession“ noch treiben lässt, dürfte sich mit zukünftigen Veröffentlichungen und vor allem Live-Auftritten zeigen. Ein Projekt, das sich zwischen Industrial, elektronischer Musik, Performancekunst und KI-Ästhetik bewegt, behalten wir bei Gothic Empire jedenfalls im Blick.
Den Kanal von Void-Sign findet ihr hier:
Void-Sign auf YouTube
Aktuelle News:
Hier die aktuellen Updates abonnieren:

Chris Reichl

































