Manchmal genügt ein kleiner stilistischer Schlenker, um vertraute musikalische Koordinaten neu auszurichten. Bones in Butter aus Belgrad machen mit ihrer neuen Single „Vielen Dank!“ genau das: Das Projekt um Songwriter Milutin Krasevic wendet den Blick Richtung Deutschland und verbeugt sich vor dem Krautrock – insbesondere vor dem wegweisenden Einfluss von Neu!.
Dass Krasevic dafür auf Deutsch singt, ist keineswegs nur ein kurioses Detail. Die Sprache gehört hier zum Konzept und fügt sich erstaunlich selbstverständlich in die Ästhetik von Bones in Butter ein. Zwischen repetitiver Bewegung, elektronischen Strukturen und den kühleren Konturen von Post-Punk entsteht ein Stück, das seine Referenzen erkennen lässt, ohne sich einfach in Nostalgie zu verlieren.
„Vielen Dank!“ erschien am 15. September 2026 und wurde von Krasevic gemeinsam mit Bassist Dejan Skopelja aufgenommen. Krasevic übernimmt Gesang, Synthesizer, Loops und Programming, während Skopelja den Bass beisteuert. Damit bleibt auch diese Veröffentlichung dem flexiblen Prinzip von Bones in Butter treu: Im Zentrum steht Krasevic als Songwriter und konstanter Kern des Projekts, während die musikalische Besetzung je nach Aufnahme variieren kann.
Zwischen Belgrad, Post-Punk und elektronischem Eigensinn
Bones in Butter existiert seit 2019. Von Beginn an war das Projekt weniger als klassische Band mit unveränderlicher Besetzung gedacht, sondern vielmehr als kreativer Rahmen für Krasevics Songwriting. Seine musikalischen Wurzeln reichen dabei deutlich weiter zurück.
Geboren in Luzern als Sohn jugoslawischer Eltern, kam Krasevic früh mit sehr unterschiedlichen musikalischen Welten in Berührung. Beatles, Simon & Garfunkel und Sparks gehörten ebenso zu seinen frühen Einflüssen wie später Punk und New Wave mit Bands wie The Stranglers, Wire und Magazine. Auch Velvet Underground hinterließen Spuren.
Nach ersten eigenen musikalischen Experimenten, verschiedenen frühen Projekten und einer längeren Phase, in der Musik nicht beruflich im Mittelpunkt stand, zog Krasevic schließlich mit seiner Familie nach Belgrad. Dort nahm die Idee von Bones in Butter konkrete Formen an.
2020 erschien mit „Love or Fear“ die erste EP. Es folgten weitere Musikerinnen und Musiker aus der Belgrader Alternative-Szene, darunter Luna Škopelja, Todor Živković, Dejan Škopelja, Tom Fedja Franklin und Srdjan Popov.
Mit „Songs for a Sane Society“ legte Bones in Butter 2023 das Debütalbum vor. Bereits ein Jahr später folgte „Cosmopolis“, das 2024 in Zusammenarbeit mit Rexius Records erschien. Mittlerweile arbeitet das Projekt wieder unabhängig und veröffentlicht neues Material in Eigenregie.
Eine deutsche Verbeugung vor einer „Neuen Epoche“
Auch textlich spielt „Vielen Dank!“ bewusst mit seinem musikalischen Bezugssystem. Schon Formulierungen wie „alles ist Neu hier“ oder die wiederkehrende „Neue Epoche“ lassen das augenzwinkernde Spiel mit der Krautrock-Historie erkennen. Gleichzeitig bleibt genügend Raum für eine zweite Ebene: Fortschritt, Veränderung und die Begeisterung über vermeintlich neue Zustände werden mit einer Spur Überzeichnung betrachtet.
Das passt zu einem Songwriter, der sich thematisch längst nicht ausschließlich mit persönlichen Beziehungen beschäftigt. In der Vergangenheit fanden bei Bones in Butter auch Korruption, Politik, Dystopie und Transhumanismus ihren Platz.
Gerade deshalb funktioniert „Vielen Dank!“ nicht nur als musikalischer Gruß Richtung Neu! und deutscher Krautrock-Geschichte. Der Song wirkt gleichzeitig wie ein weiterer kleiner Seitengang innerhalb eines Projekts, das sich ohnehin nie besonders gern an Genregrenzen gehalten hat.
Post-Punk, Gothic, Elektronik, Indie und Post-Rock bleiben bei Bones in Butter eher Koordinaten als Vorschriften. Mit „Vielen Dank!“ kommt nun Krautrock besonders deutlich hinzu – und die deutsche Sprache gleich mit.
Wer eigenwillige Independent-Musik zwischen dunkler Alternative-Szene und experimenteller Elektronik schätzt, sollte deshalb ruhig einmal in Belgrad vorbeihören.
Weitere Infos zu Bones in Butter:
Aktuelle News:
Hier die aktuellen Updates abonnieren:





































