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Corona-Chronicles: Interview mit Konstantin und Nikolas von Wisborg

Heute sprachen wir im Rahmen der Corona-Chronicles mit Konstantin Michaely und Nikolas Eckstein (WISBORG).

Gothic Empire: Als Erstes danke ich euch für eure Zeit. Wie geht es euch, wo seid ihr gerade und wie geht ihr mit dieser völlig ungewohnten Situation um, sich nicht frei bewegen zu können?

Konstantin: Ich bin zuhause – wo auch sonst. Im Großen und Ganzen komme ich ganz gut mit der Situation zurecht: arbeiten kann ich von hier aus und in meiner Freizeit hocke ich auch unter normalen Umständen viel drinnen und mache Musik. Das einzige was mir wirklich fehlt ist das Livespielen.
Nikolas: Im Großen und Ganzen geht es mir sehr gut, mein näheres Umfeld ist bisher gesundheitlich verschont geblieben. Konzerte und andere Veranstaltungen zu besuchen fehlt natürlich sehr, aber im Grunde geht’s mir wie Konstantin was die Freizeit angeht; ich bin üblicherweise eher der Typ, der zu Hause sitzt und seinen Kram macht.


Gothic Empire: Was haltet ihr von den aktuellen Live-Streaming Konzerten? Hat sowas Zukunft, oder wird das im Laufe der Zeit wieder stark nachlassen?

Konstantin: Ich nehme mal an, dass das nachlassen wird, sobald wir uns wieder in größeren Gruppen treffen dürfen. Ist nur eine Notlösung.
Nikolas: Von der Idee her schöne Aktionen um das Beste aus der Situation zu machen, aber natürlich nicht vergleichbar mit echten Konzerten und daher wohl nach der Krise obsolet.


Gothic Empire: Habt ihr auch schon eine solche Streaming-Session gemacht oder habt ihr es noch vor?

Konstantin: Das ist für uns schwierig umzusetzen, weil wir nicht in derselben Stadt wohnen.


Gothic Empire: Was sind für euch die schmerzhaftesten Konzertausfälle bisher, als Musiker, aber auch als Konzertbesucher? Ich denke mal, ihr freut euch sehr auf euren Auftritt beim Amphi Festival. Habt ihr Hoffnung, dass das Festival stattfinden wird?

Konstantin: Wir hatten zum Glück nicht so viele Gigs für die erste Jahreshälfte bestätigt, dementsprechend musste wenig abgesagt oder verschoben werden. Falls das Amphi allerdings nicht stattfinden sollte, wäre das wirklich schade. Abwarten…

Nikolas: Auf das Dark Spring Festival in Belgien hätten wir uns sehr gefreut, gerade weil wir endlich wieder mit Then Comes Silence die Bühne hätten teilen dürfen. Immerhin wurde das nur auf Anfang nächsten Jahres verschoben und nicht gecancelt.


Gothic Empire: Wie haltet zurzeit Kontakt mit euren Familien oder Freunden, welche technischen Möglichkeiten nutzt ihr da so?

Konstantin: Ich telefoniere mehr als sonst und nutze gelegentlich Skype sowie die WhatsApp-Videocall-Funktion. Sozial isoliert fühle ich mich deshalb eigentlich nicht.

Nikolas: Konstantin und ich haben auch schon einige Dinge über Skype bequatscht. Ich benutze sowas sonst nie und war positiv überrascht, einmal darüber wie gut es tut den anderen zumindest digital mal wiederzusehen und darüber wie unterhaltsam das sein kann. Abgesehen davon telefoniere ich auch zum größten Teil.


Gothic Empire: Für viele Menschen hat sich das Arbeits- und Privatleben stark verändert. Was sind für euch persönlich die gravierendsten Veränderungen oder Einschränkungen?

Konstantin: Ganz klar die Tatsache, dass wir momentan keine Konzerte geben können. Das ist ein enormer Verlust an Lebensqualität.

Nikolas: Genau das. Unterwegs zu sein und Musik machen zu können gehört irgendwann fest zur Lebensplanung dazu und fehlt jetzt natürlich.


Gothic Empire: Konstantin, du bist ja, außer als Musiker, auch im Journalismus tätig. Inwieweit haben sich durch die Krise die Arbeitsweise und/oder die Themengebiete verändert?

Konstantin: Ich bin ja Musikjournalist, ein Großteil meiner Arbeit besteht aus Platten hören und rezensieren sowie dem Interviewen anderer Künstler, was beides wunderbar von zuhause aus geht. Nur Rezensionen zu Live-Konzerten fallen natürlich weg…


Gothic Empire: Durch Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen ist der Aktionsradius stark eingeschränkt. Habt ihr- außer Musik – noch andere Hobbies, die man gut zu Hause in den eigenen vier Wänden ausüben kann?

Konstantin: Ich habe nicht wirklich Hobbys, die nichts mit Musik zu tun haben. In der Quarantäne habe ich aber angefangen, mich intensiv mit dem Remixen anderer Künstler zu befassen, was mir großen Spaß macht.

Nikolas: Ich schaff es endlich mal, einige Videospiele anzugehen zu denen ich sonst nicht gekommen bin.


Gothic Empire: Die viele Zeit wäre aber auch gut dazu geeignet, jede Menge neue Songs zu Schreiben. Arbeitet ihr, wie viele andere Bands auch, an neuem Material und wird es demnächst eine Flut an Neuveröffentlichungen geben oder widerspricht das eher den Strategien vieler Plattenfirmen?

Konstantin: Wir hatten bereits vor der Corona-Pandemie ein neues Album fertig geschrieben und wollten eigentlich Ende März ins Studio gehen. Wann wir nun mit den Aufnahmen beginnen können hängt davon ab, wann die Auflagen wieder gelockert werden.


Gothic Empire: Was denkt ihr, welche Auswirkungen diese Krise langfristig für die Wirtschaft, die Musikindustrie und den Umgang der Menschen miteinander haben wird?

Konstantin: Ich hoffe sehr, dass sie dem Turbokapitalismus einen Dämpfer versetzt. Krankenhäuser zum Beispiel müssen ausnahmslos in staatlicher Hand sein, damit Profitabilität bei der Behandlung von Patient*innen keine Rolle spielt. Außerdem zeigt sich in der Krise, dass es überwiegend schlecht bezahlte Berufe sind, die wirklich essenziell sind, um eine Gesellschaft am Laufen zu halten. Da könnte man ja mal über finanzielle Umverteilung nachdenken…

Nikolas: Die große Frage ist, ob das Konzept der EU die Krise unbeschadet übersteht, davon hängen viele weitere wirtschaftliche Entwicklungen ab. Jetzt wäre tatsächlich ein guter Moment, den Begriff der Solidargemeinschaft durch gegenseitige Unterstützung zu untermauern und noch mehr zusammen zu wachsen, national wie international.

Und Menschen sind halt Menschen. Es gibt einige, die sich jetzt um ihre Nachbarn kümmern und andere, die jetzt mit Hamsterkäufen für leere Regale sorgen. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn die Leute, die abends am Fenster für die Helfer klatschen, nach der Krise nicht vergessen wer hier den Laden am Laufen gehalten hat.


Gothic Empire: Danke, dass ihr mitgemacht habt. Danke für die interessanten Antworten. Man sieht sich wieder – hoffentlich bald. Bleibt gesund!

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Marko

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