Das Prague Gothic Treffen hat 2026 einen weiteren großen Schritt gemacht. Am 28. und 29. August verwandelte sich die Prager Štvanice-Insel für zwei Tage in einen Treffpunkt der internationalen schwarzen Szene – und erstmals war das Festival restlos ausverkauft. Selbst die gegenüber dem Vorjahr erhöhte Kapazität und eine zusätzliche Bühne konnten nicht verhindern, dass sämtliche Tickets bereits vor der Veranstaltung vergriffen waren.
Wer das Prague Gothic Treffen kennt, weiß allerdings, dass es bei diesem Festival nie ausschließlich um die Bands auf der Bühne geht. Natürlich spielt die Musik eine zentrale Rolle. Aber mindestens genauso wichtig sind die Menschen, die Begegnungen und dieses besondere Gefühl, für zwei Tage gemeinsam einen kleinen schwarzen Kosmos mitten in Prag entstehen zu lassen. Genau darin lag auch 2026 wieder eine der großen Stärken des PGT.
Drei Clubs und deutlich mehr Möglichkeiten
Eine der größten Veränderungen in diesem Jahr war das Konzept mit erstmals drei Clubs beziehungsweise drei parallel bespielten Bühnen. Fuchs2, Bike Jesus und die Vila Štvanice bildeten gemeinsam das musikalische Zentrum des Festivals. Zwei der Clubs liegen dabei praktisch direkt übereinander, während die Vila Štvanice etwas versetzt liegt und über den Außenbereich erreicht wird.
Das funktionierte erstaunlich gut. Trotz der größeren Zahl an Besucherinnen und Besuchern konnte man sich frei zwischen den einzelnen Bereichen bewegen und je nach persönlichem Geschmack sein eigenes Programm zusammenstellen. Genau diese Freiheit passt zum Prague Gothic Treffen: Niemand muss zwei Tage lang einem streng vorgegebenen Festivalablauf folgen.
Verbesserungspotenzial gibt es aus unserer Sicht allerdings bei der Barrierefreiheit. Gerade innerhalb der beiden übereinanderliegenden Clubs sowie auf dem Weg zur dritten Location spielen Treppen eine wesentliche Rolle. Die Vila Štvanice ist unter anderem über eine Außentreppe erreichbar. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität kann das schnell zum Problem werden. Hier wäre es schön, wenn zukünftige Ausgaben noch bessere beziehungsweise klar kommunizierte barrierearme Zugänge bieten könnten.
Das schmälert den insgesamt sehr positiven Eindruck der Location jedoch nicht – vielmehr wäre es der nächste konsequente Schritt für ein Festival, das sichtbar wächst und immer mehr Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenbringt.
Eine Insel für die schwarze Szene
Die Wahl der Štvanice-Insel erweist sich zunehmend als Glücksgriff. Die Location liegt mitten in Prag auf einer Insel in der Moldau, ist aus verschiedenen Richtungen gut erreichbar und fühlt sich gleichzeitig überraschend weit vom üblichen Großstadttrubel entfernt an. Die offiziellen Veranstaltungsinformationen beschreiben die drei Clubs als miteinander verbundenen Festivalbereich rund 15 Minuten vom Zentrum entfernt. Vor Ort entsteht tatsächlich schnell das Gefühl eines eigenen kleinen Festivalgeländes.
Besonders positiv fiel uns 2026 der Außenbereich auf.
Die Veranstalter haben hier einen Ort geschaffen, an dem das Festival nicht an der Tür zum jeweiligen Club endet. Man konnte zwischen den Konzerten nach draußen gehen, Freunde treffen, neue Leute kennenlernen oder einfach zusammensitzen und sich unterhalten. Essen und Getränke waren ebenso vorhanden, sodass niemand ständig das Gelände verlassen musste.
Gerade auf einem Szenetreffen sind eben nicht nur die vierzig oder fünfzig Minuten vor einer Bühne wichtig. Oft bleiben am Ende genauso die Gespräche zwischen zwei Auftritten, zufällige Begegnungen oder die Stunden nach dem letzten Konzert in Erinnerung. Und genau dafür bot die Insel reichlich Platz.
Auch nach den Live-Auftritten war längst nicht Schluss. DJs übernahmen in den Clubs, während draußen weitergeredet, getrunken und der Abend gemeinsam verbracht wurde. So entstand weniger das Gefühl eines klassischen Festivals mit klar voneinander getrennten Konzertblöcken als vielmehr eines großen Treffens von Menschen, die zufällig auch noch ein ziemlich umfangreiches Liveprogramm geboten bekommen.
Musikalisch zwischen Gothic-Tradition und Gegenwart
Das Line-up unterstrich auch 2026 wieder den Anspruch des Prague Gothic Treffen, nicht ausschließlich auf die großen und längst etablierten Namen zu setzen. Vomito Negro, Ghost Dance, Black Nail Cabaret, The Danse Society, Buzz Kull, Cryo, Potochkine, Horror Vacui, Corlyx, Nite und zahlreiche weitere Acts sorgten über beide Abende hinweg für ein breites Spektrum zwischen Gothic Rock, Post-Punk, Darkwave und elektronischen Spielarten der Szene. Dazu kam am Freitag noch ein Surprise Gig von Death in Rome.
Gerade diese Mischung gehört inzwischen zur Identität des PGT. Neben bekannten Namen gibt es immer wieder Künstler zu entdecken, die man auf den großen deutschen Festivals vielleicht noch nicht mehrfach gesehen hat.
Dadurch bleibt das Programm spannend und das Prague Gothic Treffen bewahrt sich trotz seines Wachstums seinen eigenständigen Charakter.
Ausverkauft – und längst nicht am Ende
Dass das PGT 2026 erstmals restlos ausverkauft war, ist deshalb mehr als nur eine schöne Zahl für die Veranstalter. Es zeigt, wie stark sich das Treffen inzwischen international etabliert hat. Bereits in der Ankündigung hatten wir darüber berichtet, dass trotz größerer Kapazität sämtliche Tickets vergriffen waren.
Und offenbar reicht inzwischen selbst ein Prague Gothic Treffen pro Jahr nicht mehr aus.
Am 27. Februar 2027 findet deshalb erstmals ein Winter Prague Gothic Treffen statt. Austragungsort ist die MeetFactory in Prag. Dort soll das bekannte Konzept in kompakter Form weitergeführt werden: zwei Bühnen unter einem Dach und insgesamt sieben Bands.
Wer lieber auf die große Sommerausgabe wartet, kann sich ebenfalls bereits den Kalender markieren.
Das nächste reguläre Prague Gothic Treffen findet am 27. und 28. August 2027 statt. Die erste Ticketwelle läuft aktuell für 1.490 CZK beziehungsweise etwa 60 Euro plus Gebühren für beide Tage. Erste Acts sind mit Twisted Nerve, Dina Summer, The Spoiled und Huir ebenfalls bereits angekündigt.
Unser Fazit – Prague Gothic Treffen 2026
Das Prague Gothic Treffen 2026 hat gezeigt, dass Wachstum und familiäre Atmosphäre kein Widerspruch sein müssen.
Drei Clubs, ein ausverkauftes Festival und deutlich mehr Menschen als früher. Trotzdem blieb genau das erhalten, was dieses Treffen auszeichnet: kurze Wege, viele Begegnungen und genügend Raum, um nicht einfach nur von Konzert zu Konzert zu hetzen.
Die Štvanice-Insel trägt dazu einen großen Teil bei. Konzerte drinnen, Gespräche draußen, Essen und Getränke in Reichweite und anschließend gemeinsam weiterfeiern. Das PGT versteht sich nicht nur als Musikfestival, sondern tatsächlich als Treffen.
Bei der Barrierefreiheit wünschen wir uns für kommende Ausgaben noch Verbesserungen. Davon abgesehen hat das Konzept mit den drei Locations hervorragend funktioniert und gezeigt, wohin sich das Prague Gothic Treffen entwickeln kann, ohne dabei seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Dass bereits eine Winteredition bevorsteht und die nächste Sommerausgabe 2027 angekündigt ist, überrascht deshalb kaum.
Nach diesem Wochenende ist eher die Frage:
Warum eigentlich nur einmal im Jahr?
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