Mit der Ankündigung ihrer Nordamerika-Tour im März 2026 kehrt Anja Huwe dorthin zurück, wo die Geschichte von Xmal Deutschland einst nur kurze, aber legendäre Spuren hinterlassen hat. Die kommenden Shows sind weit mehr als eine reguläre Tour: Sie schließen einen transatlantischen Kreis, der seit den mythischen US-Auftritten der Band Mitte der 1980er-Jahre offenstand.

Für langjährige Anhänger*innen wiegt diese Nachricht besonders schwer. Xmal Deutschland tourten nur selten durch Nordamerika. Ihre Auftritte blieben rar, aber nachhaltig: 1984 im New Yorker Danceteria, gefolgt von einer letzten Westküstenrunde im Dezember 1985 – unter anderem im Mabuhay Gardens und im The Palace. Vier Jahrzehnte später wird dieser Faden endlich wieder aufgenommen.

Kaum eine Band aus dem legendären Umfeld von 4AD entfaltete eine derart schwer greifbare Intensität wie Xmal Deutschland. 1981 in Hamburg gegründet, traten sie mit einer kompromisslosen Eigenständigkeit auf den Plan: auffällige Frisuren, Kajal, eine visuelle Radikalität, die perfekt zur Musik passte – roh, antreibend, zugleich von einer seltsamen Eleganz getragen. Zwar aus der Neue Deutsche Welle hervorgegangen und in einer Linie mit DAF oder Einstürzende Neubauten, entzogen sie sich jeder Schublade. „Post-Punk“ traf es deutlich besser als jede Goth-Zuschreibung.

Der Durchbruch kam 1982 mit der Single Incubus Succubus. Ein entscheidender London-Auftritt als Support der Cocteau Twins öffnete ihnen die Türen zur internationalen Avantgarde. Der Umzug nach London und die Zusammenarbeit mit 4AD wirkten wie ein Brandbeschleuniger: Fetisch (1983) und Tocsin schlugen ein wie zwei kalte Detonationen und prägen den Post-Punk bis heute.

Die frühe Besetzung – Caro May, Rita Simonsen, Manuela Rickers, Fiona Sangster und Anja Huwe – verkörperte den radikalen DIY-Geist des Punk. Keiner klassischen Ausbildung verpflichtet, sondern getrieben vom Moment. Eine Wendung während der Aufnahmen zur frühen Single Schwarze Welt machte Huwe von der Bassistin zur Sängerin. Ihre spätere Erinnerung daran ist ebenso legendär wie bezeichnend: Sie wollte nie auf der Bühne stehen – zwei Monate später stand sie dort.

Xmal Deutschlands Weg umfasste insgesamt vier Alben: Nach den beiden 4AD-Veröffentlichungen folgte Viva, das den internationalen Erfolg weiter ausbaute, sowie Devils nach einem zentralen Line-up-Wechsel. Medien fokussierten sich oft auf das „All-Female“-Narrativ, später augenzwinkernd relativiert durch den Einstieg von Wolfgang Ellerbrock. Für Huwe selbst zählte jedoch immer etwas anderes: der enge Freundeskreis, die gemeinsame Eigenwelt. „Wir waren Paradiesvögel. Wir reichten uns selbst.“

Nach der Auflösung Anfang der 1990er zog sich Huwe aus der Musik zurück und widmete sich der bildenden Kunst. Doch der Mythos ließ sie nicht los. Jahrzehntelang wies sie Anfragen aus aller Welt zurück – bis die Zeit reif wurde.

Ein wichtiger Anker dieser Rückkehr ist die umfangreiche Wiederaufarbeitung des Xmal-Katalogs. Sacred Bones Records veröffentlichte Early Singles (1981–1982), während 4AD mit Gift: The 4AD Years das Herzstück der Bandgeschichte neu auflegte – remastert in den Abbey Road Studios. Auch Devils ist wieder auf Vinyl erhältlich, weiteres Material steht in Aussicht.

Parallel erschien Codes, Huwes erstes Soloalbum, ebenfalls bei Sacred Bones. Entstanden in enger Zusammenarbeit mit Mona Mur und mit Gitarrenbeiträgen von Manuela Rickers, trägt das Album jene emotionale Direktheit weiter, die Xmal Deutschland auszeichnete – nun in einer modernen, kontrollierten Form.

Im Zentrum steht Anja Huwe selbst: eine Künstlerin mit unverkennbarer Stimme und Präsenz. Die Nordamerika-Termine 2026 bieten eine seltene Gelegenheit, diese Kontinuität live zu erleben – mit dem Gewicht von vier Jahrzehnten Geschichte im Rücken.

Nordamerika-Tour 2026

  • 18. März 2026 – New York, NY – Le Poisson Rouge

  • 19. März 2026 – Montréal, QC – Théâtre Fairmount

  • 21. März 2026 – Chicago, IL – Epiphany Center for the Arts

  • 22. März 2026 – San Francisco, CA – Great American Music Hall

  • 25. März 2026 – Los Angeles, CA – 1720

  • 28. März 2026 – Mexiko-Stadt, MX – Mesones72

  • 29. März 2026 – San José, Costa Rica – Amon Solar

Alle Informationen zu Anja Huwes Schaffen: https://anjahuwe.com/Music

Aktuelle News:

Werbung*

Hier die aktuellen Updates abonnieren: