home Festival-Insider, Gothic Festivals Null Positiv – Deutscher Endzeitmetal mit Botschaft

Null Positiv – Deutscher Endzeitmetal mit Botschaft

Meine erste Begegnung mit der erst 2015 gegründeten Metal-Formation Null Positiv rund um Frontsängerin Elli Berlin konnte ich bei dem diesjährigen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig erleben.

Und was war das für eine Begegnung…

Aber der Reihe nach.

Null Positiv im DarkFlower in Leipzig
WGT 2017 – (c) Gothic Empire

Es ist Freitagabend 19 Uhr, 31°C Außentemperatur, Club DarkFlower in Leipzig. Ortskundige wissen bereits, was das bedeutet. Alle anderen stellen sich bitte einen kleinen, fensterlosen und von schwarz dominierten Kellerclub vor. Sauerstoff ist rar, die Bühne nimmt ein Viertel der Grundfläche ein und die Boxen, welche jede Dorfkirmes-Bühne problemlos in den Schatten stellen, thronen in bedenklich geringer Entfernung vor dem Publikum.

In dieser kleinen, aber authentischen Szenerie haben sich ca. 40 Interessenten vor der Bühne versammelt (und damit den Club bereits zur Hälfte gefüllt) und warten gespannt. Vermutlich teilen die meisten der hier Anwesenden meine Neugier, Null Positiv das erste Mal live zu erleben und sind ebenfalls bei den – Aufgrund der unglaublichen Anzahl von Konzerten und Veranstaltungen schon fast notwendigen – Vorbereitungen für das WGT auf die Musiker aus Berlin und Umgebung aufmerksam geworden.

Es wird (noch) dunkler und die Spannung steigt. Die Bühne betreten mehrere Personen, von denen mir bisher leider nicht viel bekannt ist. Neben ihren drei Bandkollegen hinterlässt Sängerin Elli Berlin dabei womöglich den größten Eindruck. Alle vier Protagonisten tragen postapokalyptisch anmutende Outfits mit viel Liebe zum Detail, die bereits andeuten, an welcher Thematik sich diese – zusammen mit dem Bandnamen – orientieren.

Die ersten Takte werden gespielt, die Gitarren hämmern aus den Boxen, der Bass dröhnt im Körper und eine wütende Kriegerin beginnt zu singen, wobei diese klägliche Beschreibung dem eigentlich Geleisteten in keiner Weise gerecht wird. Es hat mich schlichtweg umgehauen, welche brachiale Kraft diese doch zierliche Frau in ihre Stimme stecken – besser gesagt brüllen – kann.

Als Laie würde ich den Gesang als „Growling mit Stimme“ beschreiben. Elli verlangt dabei ihren Stimmbändern lange und tiefe Growls ab, wechselt noch in der gleichen Zeile zu klarem und kräftigem Gesang und legt danach in ruhigen Passagen unglaublich viele Emotionen in ihre Stimme. Unterstützt wird sie dabei von harten Riffs und absolut brutalen Drums, die dem Zuhörer ihre Botschaft gnadenlos in den Kopf schlagen.

In ihren Texten benennen Null Positiv eine Vielzahl von Missständen, die uns unaufhörlich an den Rand der Existenz treiben: Krieg, Hass, Zerstörung, Gier, Rücksichtslosigkeit. Sie drücken nicht einfach nur den Finger in die Wunde, sondern salzen sie vorher noch. Dem Zuhörer soll klar werden, welche Dystopie uns erwartet, wenn wir nicht endlich aus unserem Koma erwachen.

Ich stehe also zwischen anderen, ebenfalls schwitzenden und tanzenden Menschen in diesem mittlerweile erdrückend heißen, immer noch kleinen, dunklen Club in zweiter Reihe, spüre die Musik in meinem Körper resonieren, die Texte in meinen Kopf sickern und kann gar nicht anders, als mich mitreißen zu lassen.

Erst das an eine Ballade erinnernde „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“ lässt das Publikum wieder zu Atem kommen, verdeutlicht aber nochmals die ernste Thematik und die vielen Fassetten dieser Newcomer-Band, die mich mit diesem energiegeladenen Auftritt nicht nur völlig überrascht, sondern auch bewegt und restlos begeistert hat.

Die Treppen nach oben, das Verlassen des Clubs, das Sonnenlicht und die frische Luft gleichen irgendwie dem Aufwachen aus einem Traum. Ein Traum, der mich mitgerissen und glücklich, gleichzeitig aber auch nachdenklich gestimmt hat.

Ich bin an diesem Abend ein Fan geworden und wünsche mir für Null Positiv, dass noch mehr Menschen dieser vielseitigen, deutschen Metalcombo eine Chance geben, sie zu begeistern und ihnen ihre harten Texte und noch härteren Klänge zu Gehör zu bringen.

 

Alex

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